„Ich habe erkannt, dass meine Interessen stärker im pädagogischen Bereich liegen als im technischen“, erinnert sich Florian Moosauer. Doch diese Erkenntnis blieb lange im Hintergrund, während sein Leben zunächst einen anderen, sehr bodenständigen Weg nahm.
Nach seiner Ausbildung zum Zerspanungstechniker ging Florian Moosauer den klassischen Weg im Metallhandwerk. Er sammelte umfangreiche Praxiserfahrung und war später bei TÜV Süd in der Werkstatt- und Werkstoffprüfung tätig. Dort absolvierte er auch seinen Meister. Ein solider, sicherer Berufsweg – der ihm jedoch nie hundertprozentig erfüllend erschien. „Ich habe funktioniert“, sagt er rückblickend, „aber innerlich wusste ich, dass mir etwas fehlt.“ Schon lange spürte er eine Hinwendung zu sozialen und pädagogischen Tätigkeiten.
Dann kam der Einschnitt, der alles veränderte. Er erkrankte an einer Hüftkopfnekrose; ein Knochenmarködem im Hüftkopf führte dazu, dass das Gelenk schwer geschädigt wurde. Ab 2017/18 war er über einen langen Zeitraum krankgeschrieben, zeitweise konnte er kaum noch gehen. Operationen und eine lange Rehabilitationsphase folgten.
Als sich sein Gesundheitszustand langsam stabilisierte, begann Moosauer ein Psychologiestudium. Kurz darauf wurde er Vater. Die Kombination aus Studium, Familie und fehlenden finanziellen Einnahmen stellte ihn jedoch erneut vor große Herausforderungen. „Das war eine sehr fordernde Zeit“, sagt er. Er nahm wieder eine Teilzeitarbeit auf, doch seine gesundheitlichen Probleme kehrten zurück und verschärften sich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde klar: Eine berufliche Neuorientierung war unumgänglich.
Im Rahmen einer notwendigen beruflichen Reha eröffnete sich schließlich die passende Möglichkeit: die Ausbildung zum Arbeitspädagogen im BFW München.
Der Weg dorthin war nicht geradlinig. Zunächst sollte er eine kaufmännische Ausbildung beginnen, doch bereits nach wenigen Unterrichtsstunden spürte er deutlich, dass dieser Kurs nicht zu ihm passte. „Entweder etwas Pädagogisches – oder es bringt nichts“, fasst er diese Phase rückblickend zusammen. Nach erneuter Prüfung wurde der Wechsel genehmigt, und Florian Moosauer konnte die Ausbildung zum Arbeitspädagogen beginnen.
Trotz weiterhin gesundheitlich herausfordernder Zeiten wurde das BFW für ihn zu einem sicheren Anker. „Hier hatte ich endlich das Gefühl, richtig zu sein“, sagt er. Die unterstützenden Strukturen und das Umfeld halfen ihm dabei, sich beruflich neu zu orientieren – und seinen Weg zu festigen. Nach erfolgreichem Abschluss übernahm Florian Moosauer eine Stelle in einer Einrichtung in Rosenheim, die Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei unterstützt, wieder eine stabile Tagesstruktur zu entwickeln und den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. „Ich kann hier viel von dem weitergeben, was ich selbst erlebt habe“, sagt er.
Parallel dazu wagte er einen weiteren Schritt: den Einstieg in die Selbstständigkeit als rechtlicher Betreuer. Er qualifizierte sich entsprechend, führte Gespräche mit der Betreuungsstelle, reichte Nachweise ein – und erhielt schließlich seine Registrierung. „Das war ein wichtiger Schritt für mich, auch in Richtung Eigenverantwortung.“
Fast nebenbei ergab sich ein weiterer Entwicklungsschritt. Eine Berufsvorbereitungsklasse suchte eine Lehrkraft mit handwerklicher und pädagogischer Erfahrung. Heute steht er selbstbewusst vor einer Klasse und begleitet Jugendliche auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. „Wenn ich daran denke, wie schwer mir früher das Sprechen vor Menschen gefallen ist, überrascht mich das manchmal selbst“, sagt er schmunzelnd. Florian Moosauer ist ein Beispiel dafür, wie Rückschläge in neue Stärke verwandelt werden können. „Man darf sich nicht abbringen lassen“, sagt er. „Wenn man dranbleibt, kann man Wege gehen, die man vorher nicht einmal im Kopf hatte.“
Die nächste Ausbildung zum/zur Arbeitspädagogen/-in beginnt am 11.06.2026. Der nächste Reha-Vorbereitungslehrgang startet am 18.03.2026.
News
Wie ein Umbruch neue Perspektiven schuf