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Talente halten und Potenziale nutzen

Vom Schreiner in der Werkstatt zum Konstrukteur im Büro: Stefan Mitterfelners beruflicher Neustart war kein geplanter Karriereschritt, sondern die Antwort auf gesundheitliche Grenzen – und ein Beispiel dafür, wie aus einer Krise eine Chance werden kann. Nach fast 20 Jahren im Innenausbau von Reisemobilen zwangen ihn Knieprobleme zum Umdenken. Mit Unterstützung seines Arbeitgebers wagte er die Umschulung zum Technischen Produktdesigner.

Wenn Stefan Mitterfelner heute an seinem Schreibtisch sitzt und Baugruppen konstruiert, wirkt das wie eine konsequente Weiterentwicklung seiner beruflichen Laufbahn. Tatsächlich war dieser Schritt jedoch das Ergebnis eines langen, schleichenden Prozesses – ausgelöst durch gesundheitliche Einschränkungen, getragen von Vertrauen, Unterstützung und dem Mut zur Neuorientierung.

Fast zwei Jahrzehnte arbeitete Stefan Mitterfelner als Schreiner im Innenausbau von Reisemobilen – ein Beruf, den er liebte. „Ich habe die Werkstatt geliebt und vermisse das auch heute noch.“ Doch seine Knie machten ihm zunehmend zu schaffen. Die körperlich belastende Arbeit wurde immer schwieriger, die Einschränkungen größer. „Es hat meine Arbeitsfähigkeit so stark beeinträchtigt, dass ich mich umorientieren musste“, erzählt er.

Gleichzeitig war da jedoch noch etwas anderes: seine tiefe Verbundenheit mit dem Betrieb. Seit Ende 2002 war er im Unternehmen, gut etabliert, anerkannt, erfahren. Der Gedanke, die Firma ganz verlassen zu müssen, fühlte sich falsch an. Stattdessen entstand, gemeinsam mit dem Chef, eine neue Idee, denn ein Impuls kam aus dem direkten Umfeld: Ein Kollege hatte aus anderen Gründen eine Umschulung begonnen. „Der hat zu mir gesagt: Schau doch mal, ob da auch für dich was möglich ist.“ Mitterfelner sprach mit seinem Abteilungsleiter, mit der Geschäftsführung und stieß auf offene Türen. Fast zeitgleich wurde im technischen Büro eine Stelle frei. „Zwei Stunden später stand ich beim Chef und habe gefragt: Wäre das eine Möglichkeit?“ Damit war der Weg vorgezeichnet.

Bevor es jedoch losging, standen Operationen an beiden Knien an. Ein ganzes Jahr war Stefan Mitterfelner krankgeschrieben, lange Zeit auf Krücken. Rückblickend ist er froh über diese Reihenfolge. „Ich bin echt dankbar, dass ich das vorher gemacht habe. Das Lernen hätte sonst nicht funktioniert.“

Die Umschulung zum Technischen Produktdesigner, Fachrichtung Produktgestaltung und -konstruktion, begann schließlich ein Jahr später. Zwei Jahre zurück auf die Schulbank – mit 40 plus. Respekt hatte Stefan Mitterfelner davor durchaus. „Ich hatte riesigen Bammel. Ich dachte: den ganzen Tag sitzen, ich schlafe ein, ich kriege nichts in meinen Kopf rein.“ Seine eigene Schulzeit hatte er nicht als besonders motivierend erlebt.

Doch es kam anders. Seine langjährige Praxiserfahrung erwies sich als großer Vorteil. „Dieses technische Verständnis, die Art, über Konstruktionen nachzudenken, das war fundamental hilfreich.“ Was ihn zusätzlich trug, war das Umfeld: eine außergewöhnlich gute Klassengemeinschaft und engagierte Ausbilder. „Unsere Klasse war phänomenal. Respektvoll und unterstützend, wir haben heute noch Kontakt.“ Über die Lehrkräfte sagt er ohne Zögern: „Die Ausbilder sind spitze. Motiviert, freundlich, immer ein offenes Ohr.“ Rückblickend beschreibt Mitterfelner die Zeit der Umschulung als einen geschützten Raum. „Erst im Nachhinein ist mir klargeworden, was für ein Safe Space das war.“ Ein Ort, an dem Lernen möglich war,  ohne den permanenten Druck, sofort funktionieren zu müssen.

Nach dem Abschluss kehrte er in seinen Betrieb zurück, diesmal ins Konstruktionsbüro. Viel hatte sich verändert: neue Gebäude, neue Kollegen, ein stärkerer Fokus auf Metall- und Aluminiumkonstruktionen. Inzwischen ist er wieder angekommen. Heute erstellt Stefan Mitterfelner Konstruktionen und Zeichnungen für unterschiedlichste Bauteile – vom Dachträger aus Aluminium bis zu CNC-gefrästen Innenausbauteilen aus Holz. Die Abwechslung schätzt er sehr. „Das war schon immer das Tolle an dieser Firma: Es ist nie eintönig.“ Auch im Kollegenkreis hat sich die neue Rolle gut eingespielt. Für Mitterfelner selbst war der Wechsel nie eine Flucht vor der Werkstatt, sondern eine Notwendigkeit. „Wenn ich keine körperlichen Beschwerden hätte, ich hätte den Job bis zur Rente gemacht.“ Doch seine Einschränkungen lassen das nicht mehr zu.

Heute blickt er mit Dankbarkeit zurück und mit Klarheit nach vorn. Besonders beeindruckt hat ihn, welche Möglichkeiten das System der beruflichen Rehabilitation bietet. „In ­Deutschland gibt es sehr gute Möglichkeiten. Man muss sie nur kennen und den Mut haben, sie zu nutzen.“ Für Stefan Mitterfelner hat sich dieser Mut ausgezahlt. Sein Weg zeigt, dass berufliche Reha kein Bruch sein muss, sondern eine Weiterentwicklung – wenn Erfahrung, Unterstützung und Offenheit zusammenkommen.

Die nächste Ausbildung zum/zur Technischen Produktdesigner/-in, Fachrichtung Produktgestaltung und -konstruktion beginnt am 01.07.2026. Der nächste Reha-Vorbereitungslehrgang startet am 25.03.2026.