Fuß gefasst – und angekommen: Ein Neustart mit Perspektive
„Ich hatte nur drei Tage Zeit, mir das zu überlegen, bis der Kurs startete“, erinnert sich Barbara Mennesclou. Sie war als Altenpflegerin tätig – bis zu einem Unfall, bei dem sie sich das Bein verletzte, insbesondere das Sprunggelenk, und das ziemlich kompliziert. „Nach etwa zwei Jahren wurde mir klar: In der Altenpflege wird das nichts mehr. Schweres Heben und Drehen – das war einfach vorbei.“
Barbara Mennesclou bekam dann über die Rentenversicherung die Möglichkeit, in der BFW-Geschäftsstelle Augsburg an der Berufsfindung und Arbeitserprobung (BF/AP) teilzunehmen. „In Augsburg drehte sich das Angebot jedoch eher um Büro- und Qualitätsmanagement – diese Bereiche standen zur Auswahl“, erzählt sie. „Für Qualitätsmanagement war ich meiner Meinung nach nicht akkurat genug, und Büro – das weiß ich – ist einfach nicht mein Steckenpferd.“
Also stand sie erst einmal etwas verloren da. „Man hat schon gemerkt, dass nicht so richtig etwas dabei war, was zu mir passte.“ Doch dann erzählte ihr der Kursleiter, dass er selbst zur Umschulung in Kirchseeon gewesen sei, dort auch im Internat gewohnt habe – und dass es dort noch andere spannende Umschulungskurse gebe, unter anderem in Podologie, der medizinischen Fußbehandlung. Er fragte Mennesclou, ob sie sich vorstellen könne, wieder mit Menschen zu arbeiten.
„Ich hatte nur drei Tage Zeit, mir das zu überlegen, bis der Kurs startete – und ehrlich gesagt keine richtige Vorstellung davon. In der Altenpflege haben wir mit den Füßen eigentlich nichts gemacht – keine Nägel geschnitten oder so.“ Doch das Medizinische daran interessierte sie. „Da hatte ich durch meine Arbeit als schon ein bisschen Background.“ Drei Tage später war Barbara Mennesclou in Kirchseeon und begann ihre Umschulung im BFW zur Podologin.
„Das Internat war für mich eine kleine Herausforderung – mit so vielen Menschen zusammenzuwohnen, die alle eine andere Agenda hatten.“ Doch sie gewöhnte sich schnell ein. „Was für mich wirklich gut war: Man kann sich unter der Woche voll aufs Lernen konzentrieren.“ Diese Fokussierung habe ihr sehr geholfen. „Ich lasse mich schnell ablenken.“
Im Rahmen der Ausbildung absolvierte Barbara Mennesclou mehrere Praktika – insgesamt drei in unterschiedlichen podologischen Praxen. „In einer davon habe ich vor gut einem Jahr, also zum Ende der Ausbildung, mit einer Festanstellung angefangen“, erzählt sie. „Ich habe direkt über das Praktikum meine neue Arbeitsstelle gefunden.“ Die Chemie mit ihrer heutigen Chefin stimmte von Anfang an. „Wir haben uns schon im Praktikum gut verstanden – auch von der Arbeitsweise her hat das super gepasst. Sie hat mir dann eine Stelle angeboten.“ Heute arbeitet sie in einem kleinen Team mit fünf Personen – inklusive der Chefin.
Für Mennesclou war die Umschulung ein voller Erfolg. „Mir macht der Job total Spaß. Ich hatte nie das Gefühl: 'Bäh, Füße!' – das fand ich nie komisch. Ich war ja vorher in der Altenpflege und da habe ich sicher herausforderndere Dinge gesehen. Von dem her waren Füße mein kleinstes Problem“, sagt sie lachend. „Aber ich wusste am Anfang wirklich nichts. Wie wächst ein Nagel? Was gehört dazu?“ Der Umgang mit dem menschlichen Körper habe ihr nie etwas ausgemacht. „Darüberhinaus fällt es mir auch leicht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich glaube, ich habe da einen ganz guten Draht zu den meisten Patienten.“ Besonders gefällt ihr die kleinteilige Arbeit – und das interdisziplinäre Denken. „Sich Gedanken zu machen, wie man etwas verbessern kann, das macht mir total Spaß.“
Anfangs hatte sie keinerlei Erwartungen in die Umschulung. „Ich hatte mich vorher nie mit Podologie beschäftigt und kannte das nur aus dem Altenheim – da kamen manchmal Podologen, aber es war immer schwer, überhaupt jemanden zu finden, der ins Heim fährt.“ Dass es Bedarf gibt, war ihr klar.
Rückblickend war die Entscheidung goldrichtig. „Es war mehr so: auf gut Glück. Ich kann kleinteilig arbeiten, muss nicht mehr viel laufen – was meinem Bein entgegenkommt – und ich musste nicht in Frührente oder irgendeinen Anlernjob machen. Ich wollte einfach wieder eine sinnvolle Aufgabe haben.“ Die hat sie heute gefunden.
„Wenn man gut mit Menschen kann, ist das ein super Job. Man hat echt viele Möglichkeiten“, betont sie zum Schluss. Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Der Job des Podologen ist sehr gefragt – wir sind wie Einhörner. Wir sind sehr selten.“
Die nächste Ausbildung zum/r Podologen/-in beginnt am 16.09.2025. Der nächste Reha-Vorbereitungslehrgang startet am 16.06.2026 und der nächste Reha-Vorbereitungslehrgang für besondere Zielgruppen am 18.03.2026.