Geblitzt, gelacht, durchgestartet: In Höchstgeschwindigkeit zum Traumjob
Der Tag, an dem sie in Kirchseeon geblitzt wurde, bleibt für Anita Haas so positiv in Erinnerung wie vermutlich niemand anderem. Ihren heutigen Arbeitsplatz verdankt sie letztlich diesem „Geschwindigkeitsrausch“.
Anita Haas arbeitete 25 Jahre lang als Metzgerei-Fachverkäuferin, davon zwölf Jahre als Filialleiterin. Schon früh machten ihr Rückenprobleme zu schaffen, doch sie hielt durch – bis starke Schmerzen und Taubheitsgefühle in Armen und Fingern schließlich alles veränderten. „Am Ende konnte ich gar nicht mehr arbeiten“, erinnert sie sich. Die Diagnose: ein Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich. Lange haderte sie mit der Entscheidung, ob denn eine Operation nötig sei, doch es gab keinen anderen Ausweg. Im Januar 2021 ließ Anita Haas sich schließlich eine Bandscheibenprothese einsetzen – mit Erfolg.
Schon vor der Operation war ihr aber auch klar: In ihren alten Beruf würde sie nicht mehr zurückkehren können. Im November 2020, zwei Monate vor der OP, besuchte Anita Haas bereits das BFW, um sich zu informieren. „Meine Beraterin bei der Krankenkasse hatte mir erzählt, dass ihr Bruder dort auch eine Umschulung gemacht hat.“ Ihre Anfrage wurde an die Rentenversicherung weitergeleitet und so konnte sie die genehmigte Umschulung beginnen, sobald sie sich fit genug fühlte.
Nach dem Eingriff verlief alles überraschend unkompliziert – sechs Wochen zu Hause und vier Wochen auf medizinischer Reha. Mitte Juni 2021 startete Anita Haas dann schließlich mit der Arbeitserprobung im BFW München. „Ich wusste, dass ich eine neue Perspektive brauche, etwas, das ich bis zur Rente machen kann“. Ihre Wahl fiel schnell auf die Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten. „Die Ausbildung hat für mich einfach am meisten Sinn gemacht. Ich wollte einen sicheren Job mit guten Zukunftsaussichten.“ Und so erlebte sie die Zeit im BFW München als eine tolle Erfahrung mit einer professionellen Betreuung: „Ich bin mit allen super ausgekommen“.
Als das viermonatige Pflichtpraktikum anstand, teilte sich Anita Haas die Praktikumszeit bewusst in zwei Blöcke auf, um mehr Erfahrungen in der Praxis sammeln zu können. Die eine Praktikumsstelle in einem Landratsamt bekam sie relativ schnell. Die Suche nach dem zweiten Praktikumsplatz gestaltete sich jedoch schwieriger. „Ich wollte unbedingt eine große Behörde und eine kleine Gemeinde kennenlernen. Aber gerade die kleineren Gemeinden sagten oft ab, weil sie keine Praktikanten nehmen.
Eine unerwartete Wendung der Praktikumssuche nahm ihren Weg, als sie eines Morgens kurz vor dem BFW geblitzt wurde. An diesem Tag hatte sie Unterricht bei einem Dozenten, der gleichzeitig Leiter des Bürgerservices in der Gemeinde Kirchseeon war. „Ich konnte mich nicht zurückhalten und habe ihm erzählt, dass das ja eine Frechheit ist, dass ich heute geblitzt wurde“, erinnert sie sich lachend.
Der Dozent erwähnte daraufhin den Zweckverband Kommunale Dienste Oberland in Bad Tölz, mit dem er in engem Kontakt stand. Spontan fragte Anita Haas, ob dort vielleicht eine Praktikantin gesucht werde. „Gesagt, getan. Eine Woche später kam er auf mich zu und gab mir die Kontaktdaten der zuständigen Ansprechpartnerin.“ Nach einem sehr freundlichen Telefonat durfte sie ihre Bewerbung einreichen und wurde direkt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. So absolvierte sie schließlich ihr zweites Praktikum beim Zweckverband Kommunale Dienste Oberland in Bad Tölz und bekam auch die Zusage für eine Festanstellung nach dem Abschluss ihrer Ausbildung.
Heute ist sie gemeinsam mit einer Kollegin für die "Planung fließender Verkehr" im Gebiet des Zweckverbands verantwortlich. „Ich bin total glücklich über diese Stelle, und meine Kollegen sowie Vorgesetzten sind es auch mit mir“, sagt sie stolz. Ihr Fazit: „Für mich war wichtig, dass ich es bestmöglich schaffe – und ich habe gut abgeschlossen. Man hat schon gemerkt, dass die Ausbildung fordernd ist.“ Anita Haas ist überzeugt: „Ich würde es auf alle Fälle wieder machen!“