Wenn ein Traum endet – und ein neuer beginnt
Ein Job, der sich wie ein Traum anfühlt – und dann plötzlich nicht mehr möglich ist. Für Alexandra Wiezorek kam dieser Einschnitt unerwartet. „Ich war Dekorateurin und habe sehr lange bei Karstadt und Kaufhof gearbeitet, hatte dort eine Leitungsposition und bin dann zu Lego gewechselt. Ein Traumjob für mich.“ Für Lego betreute sie aufwendige Aufbauten in Geschäften in Oberbayern und Österreich – ein Job, der Kreativität, Organisation und körperlichen Einsatz vereinte. Doch dann kam die gesundheitliche Wende. „Ich bin einfach krank geworden. Ich habe eine chronische Erkrankung bekommen, die vor allem die Lunge betroffen hat. Mir ging die Puste aus.“
Mit der Erkrankung kamen weitere Einschränkungen: taube Finger, Schmerzen, ein dauerhafter Nervenschaden. Für Alexandra Wiezorek war schnell klar, dass sie ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Sie traf eine bewusste Entscheidung – für einen Neuanfang. „Ich bin ganz bewusst mit dem Ziel in die Reha gegangen, eine Umschulung zu bekommen. Ich habe gesagt: So funktioniert es nicht mehr. Bevor ich mich weiter durch den Beruf quäle – und es war wirklich eine Quälerei – wäre es fahrlässig gewesen, mich nicht darum zu kümmern.“
Nach der beruflichen Erprobung standen ihr viele Wege offen. „Am Ende hieß es: Ich kann es mir aussuchen. Ich wäre für fast alles geeignet.“ Dennoch nahm sie sich Zeit für die Entscheidung. Sie wollte nicht erneut in eine Branche gehen, in der wirtschaftliche Unsicherheiten ihren Weg bestimmen. Schließlich fiel ihre Wahl auf die Umschulung zur Kauffrau im Gesundheitswesen am BFW München. „Ich habe mir gedacht: Die Leute werden leider immer krank. Es wird also immer Einrichtungen geben, in denen ich im Büro arbeiten kann.“
Der Schritt zurück ins Lernen war zunächst ungewohnt, entwickelte sich aber schnell positiv. „Ich fand es super. Ich habe am Anfang überlegt: Schaffe ich das jetzt noch einmal, komplett etwas Neues zu lernen? Aber das hat gut funktioniert.“ Besonders die hervorragende Lernatmosphäre im BFW blieb ihr in Erinnerung. „Wir hatten wirklich fokussierten Unterricht. Es wurde auf jeden eingegangen, man konnte alles fragen, und es wurde auch zum tausendsten Mal erklärt.“
Mitten in der Umschulung wurde Alexandra Wiezorek Mutter. Sie pausierte ihre Ausbildung, kümmerte sich um ihre Tochter, die in dieser Zeit leider auch mehrere Operationen hatte – und kehrte anschließend zurück. „Ich hatte gar nicht den Kopf für die Schule, aber der Wiedereinstieg war überhaupt kein Problem.“ Dass sie ihren Weg konsequent weiterging, zeigt ihre Zielstrebigkeit. Für sie war klar: Aufgeben ist keine Option.
Ihre betriebliche Praxisphase absolvierte sie im Medical Park Bad Feilnbach, sammelte dort wertvolle Einblicke und knüpfte erste Kontakte. Nach ihrem Abschluss fand sie wenige Monate später ihre heutige Stelle in einer geriatrischen Rehaklinik. Schon beim Einstieg wurde deutlich, worauf es ankommt: Eigeninitiative. „Mir wurde gesagt: Wenn du Strukturen brauchst, ist das nichts für dich. Wenn du Strukturen schaffen kannst, dann bist du hier richtig.“ Ihre Antwort: „Voll mein Ding.“
Heute arbeitet sie im Personalbereich und übernimmt gemeinsam mit ihrem Team ein breites Aufgabenspektrum. „Wir machen hier eigentlich alles – von der Einstellung bis zur Kündigung.“ Dazu kommen Zeiterfassung, Personalakten, Lohnvorbereitung sowie die Rolle als Ansprechpartnerin für Mitarbeitende. „Wir sind auch irgendwo ein offenes Ohr für jeden.“ Gerade diese Vielseitigkeit macht für sie den Reiz aus.
Trotz aller Verantwortung achtet Alexandra Wiezorek bewusst auf eine gute Balance. Sie arbeitet in Teilzeit, nutzt Homeoffice und setzt klare Grenzen. „Wenn ich Feierabend habe, habe ich Feierabend.“ Gleichzeitig ist sie flexibel genug, um Beruf und Familie miteinander zu verbinden. Dass sie ihren Weg mit so viel Energie geht, hat einen einfachen Grund: „Wenn ich keinen Lebensinhalt habe im Sinne von: Das habe ich erreicht – dann geht mir die Energie aus.“ Stillstand ist für sie keine Option. Eine Weiterbildung zur Personalfachkauffrau hat sie bereits im Blick.
Was würde sie anderen raten, die vor einer ähnlichen Situation stehen? Ihre Antwort ist klar: „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.“ Gleichzeitig betont sie, wie wichtig es ist, sich selbst gut zu kennen. „Man muss wissen, was man kann – aber vor allem auch, was man nicht will.“ Denn nur so lässt sich ein Weg finden, der wirklich passt – und auf dem man neu durchstarten kann.
Die nächste Ausbildung zur/zum Kauffrau/-mann im Gesundheitswesen beginnt am 24.06.2026. Der nächste Reha-Vorbereitungslehrgang startet am 28.10.2026 und der nächste Vorbereitungslehrgang für bes. Zielgruppen am 29.07.2026.