23.10.2017
Kategorie: Aktuelles

"Ein Pausenknopf für den Augenblick": Unternehmerabend zum Wert der Lebenszeit

Am 19. Oktober hatten das Berufsförderungswerk München und die AOK Bayern zum 15. Unternehmerabend nach Kirchseeon eingeladen.


Karsten Stanberger während seines Vortrags im BFW München.

Das Publikum war gefordert: Wer weiß, was wichtig ist im Leben?

Karsten Stanberger mit den Gastgebern des Abends: Günther Renaltner (Geschäftsführer BFW München) und Bernhard Frey (AOK Bayern).

Referent war der Trainer und Coach Karsten Stanberger, der sich ehrenamtlich mit seinem Verein Grasbeißerbande e.V. für Kinderhospize engagiert. Bei dieser Arbeit habe er erfahren, wie wertvoll Zeit wirklich ist.

„Was antworten Sie, wenn ein todkrankes achtjähriges Kind fragt, wieso es sich noch die Zähne putzen soll, wenn es doch ohnehin sterbe?“ fragte Stanberger die gut 60 Gäste des Unternehmerabends. Eine Frage, die berührte und vom Referenten absichtlich nicht eindeutig beantwortet wurde. „Ich möchte Sie einladen, sich mit Ihrem Tod bewusst auseinanderzusetzen und dadurch das Sterben wieder ins Leben zu holen“, sagte er. Wem die eigene Sterblichkeit bewusst sei, der gehe automatisch verantwortungsvoller mit seiner Lebenszeit um. Dabei gehe es nicht unbedingt darum, immer mehr zu erleben: „Stellen Sie sich vor, Sie trainieren zwei Stunden die Woche Tennis. Wenn Sie nun in diesen zwei Stunden noch zusätzlich Yoga und Pilates machen – wird Ihr Aufschlag davon besser?“ Bewusst zu leben bestünde vielmehr in der Kunst, den Augenblick nicht nur zu betrachten, sondern zu besitzen. „Statt mich zu fragen, wie man Zeit ‚gewinnt‘, sollte ich eher darauf achten, ob mein Tun sinnvoll ist“, betonte Stanberger. Eine Hilfe dabei könnten regelmäßige Rituale sein. Als Anregung für ein solches Ritual hatte der Referent den Teilnehmern bunte Hosenknöpfe ausgeteilt. „Nehmen Sie diese Knöpfe in die Hand und lassen Sie sie Ihr ‚Pausenknopf‘ sein. Drücken Sie sie und werden Sie sich des Augenblicks bewusst“, riet er.

All diese Ratschläge entstammten langen Gesprächen Stanbergers mit Kindern und Eltern in Kinderhospizen. „Jedes Jahr sterben ca. 5000 Kinder noch vor ihrem 15. Lebensjahr an einer lebensverkürzenden Erkrankung. Kinderhospize begleiten Eltern und Kinder auf diesem Weg, müssen sich aber zur Hälfte aus Spenden finanzieren“, erklärte Stanberger. „Die Familien dort sind nicht mehr bereit für Tage, die keinen Sinn stiften – das hat mich sehr inspiriert.“ Mit seinem Verein „Grasbeißerbande e.V.“ wolle Stanberger daher gleichzeitig helfen und diese Inspiration weitergeben. Dazu hat er das Buch „Grasbeißerbande“ verfasst, in dem selbst gemalte Bilder und aufrüttelnde Gedanken todkranker Kinder zusammengestellt sind. Das Buch ist im Handel erhältlich, der gesamte Erlös kommt den deutschen Kinderhospizen zugute.


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