Andachtsraum



Wer ins Berufsförderungswerk München nach Kirchseeon kommt, mit dem ist etwas passiert. Ob körperlich oder psychisch – irgendetwas ist geschehen, das die gewohnte Arbeit unmöglich gemacht hat. Manchen sieht man das an: Sie tun sich schwer beim Gehen, können ihre Arme nicht mehr heben oder leiden unter starkem Übergewicht – eine Nebenwirkung starker Antidepressiva. Bei anderen ist die Einschränkung unsichtbar: Die Köchin, die nichts mehr schmecken kann; der Zahnarzt, der sich vor Zähnen ekelt; die Krankenschwester mit einer Desinfektionsmittel-Allergie. Sie alle kommen ins BFW, um ihre Einschränkungen hinter sich zu lassen und ihre Stärken neu zu finden. Ein neuer Beruf – das ist mehr als eine Umschulung. Für viele ist es ein komplett neues Leben.

In einem kleinen Zimmer im BFW steht eine junge Dame, der es ebenso erging. Bis 1974 war sie mit großem Engagement in einem Lungenheilsanatorium tätig. Doch als das abgerissen wurde, landete sie auf einem Schutthaufen und wurde nur mit viel Glück von einem Arbeiter gerettet. Jahrelang stand sie dann in seinem Herrgottswinkel  und schulte zur Privatsegenspenderin um. In seinem letzten Willen legte der Arbeiter fest, dass die Marienstatue – nach der erfolgreich gemeisterten beruflichen Rehabilitation in seiner Küche – wieder an ihren alten Ort zurückkehren sollte. Das war jedoch gar nicht so einfach, denn statt des Lungensanatoriums stand dort inzwischen das Berufsförderungswerk München und das hatte keinen Platz für eine Kapelle. Erst im Jahr 2000, als der medizinische Dienst verkleinert wurde, fand die heilige Rehabilitandin eine neue Wirkungsstätte im neu gestalteten Andachtsraum  in Zimmer 5016.

Die Marienstatue, eine aus Gips gefertigte Lourdes-Madonna aus der Zeit der Jahrhundertwende, ist nicht das einzige Bemerkenswerte im Andachtsraum des BFW. Viele Hände wirkten mit, um den Ort einladend und ansprechend zu gestalten. Das an einen Tuffstein befestigte Kreuz mit dem kunstvoll eingesetzten Kristall wurde von der bekannten Kunstschmiede Bergmeister in Ebersberg geschaffen, die unter anderem auch das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin gestaltet hat. Und der Kirchseeoner Künstler Karl Goldschmitt steuerte den Kreuzweg an den Wänden des Andachtsraums bei. Seine Zeichnungen sind die Reproduktion eines niederrheinischen Kreuzwegmosaiks, das wegen seiner hellen Farben und der beruhigenden Stimmung besonders geeignet für das angenehme Raumklima erschien. Doch nicht nur Künstler verewigten sich im BFW-Andachtsraum – auch die Mitarbeiter trugen im Jahr 2000 ihren Teil bei. Sie fertigten Altar, Ecktisch, Predigtpult und Kerzenständer aus Holz und Aluminium in den eigenen Werkstätten des Berufsförderungswerks.

Seit 15 Jahren ist der Andachtsraum im Berufsförderungswerk Kirchseeon täglich bis 23 Uhr als ständiger Rückzugsort zum Gebet und Einladung zur Atempause geöffnet. Darüber hinaus bieten die katholischen und evangelischen Ortsgemeinden einmal im Monat ökumenische Andachten im BFW an.

Wer an der regelmäßigen ökumenischen Andacht im Berufsförderungswerk Kirchseeon teilnehmen möchte, findet hier die Termine für 2018 (klicken!) und die genaue Adresse:

Berufsförderungswerk München
Moosacher Str. 31
85614 Kirchseeon

Raum 5016