Medizinischer Dienst

Notfallbereitschaft in der beruflichen Rehabilitation


Dr. Gabriele Wissert,
Leiterin des medizinischen Dienstes

Der medizinische Dienst begleitet die Teilnehmer während ihrer Umschulung in Kirchseeon.

Dr. Gabriele Wissert leitet seit 2014 die medizinische Abteilung im Berufsförderungswerk (BFW) München. Gemeinsam mit ihrem Team aus vier festangestellten Ärztinnen und vier Assistenzkräften stellt sie die Aufgaben der Rehabilitations-, Akut- und Präventivmedizin sicher.

„Der medizinische Dienst funktioniert ähnlich wie eine Arztpraxis“, sagt die Abteilungsleiterin. Morgens zwischen 7:30 und 10:30 Uhr, mittags zwischen 12:30 und 14:00 Uhr und abends zwischen 16:15 und 17:00 Uhr bieten Wissert und ihre Kolleginnen eine offene Sprechstunde an. Zudem haben Rehabilitanden die Möglichkeit, Einzeltermine zwischen den offenen Sprechzeiten zu vereinbaren. Jedem Teilnehmer steht ein Reha-Team zur Seite, dem auch eine Ärztin angehört. Neben den Beratungsterminen führt die Teamärztin die Eingangsuntersuchung sowie das Prozessprofiling der Teilnehmer durch.

„Wir haben hier alle Möglichkeiten für eine umfassende, medizinisch fundierte Grunddiagnostik“, erklärt Wissert. In der modern ausgestatteten Medizinabteilung der Kirchseeoner Einrichtung stehen sowohl EKG- als auch Lungenfunktionsgerät zur Verfügung. Ebenso können Hör- und Sehtests gemacht und Langzeitblutdruckmessungen durchgeführt werden. Blut abgenommen wird ebenfalls direkt vor Ort. Die Labordiagnostik findet extern statt. Bei Suchterkrankungen können nach Entscheidung im Reha-Team auch unangekündigte Alkoholtests und Drogenscreenings gemacht werden.

Bei Notrufen im Haus rücken eine Ärztin und zwei Assistenzkräfte mit Notfallkoffer, Defibrillator und Liege aus. „Notfälle können zum Beispiel ein Kreislaufkollaps, ein Krampfanfall, eine Zuckerentgleisung oder auch ein Herzinfarkt sein“, sagt die ärztliche Leiterin. Ihr Ärzteteam hat montags bis donnerstags Notfallbereitschaft zwischen 7:30 und 17:30 Uhr, freitags zwischen 07:30 und 13:00 Uhr. Zum Einsatz werden sie sowohl in die Kursräume als auch in die Internatszimmer gerufen – rein statistisch ereignen sich bis zu vier Notfälle pro Woche.

Im Haus wird die Akutversorgung sichergestellt. Der medizinische Dienst im BFW hat aber keine Kassenzulassung. Das heißt, Rezepte oder auch Überweisungen können nicht ausgestellt werden. „Meist ist der Grund für den Gang zum Arzt das individuelle Rehaleiden.“, sagt Wissert. „Die Akutbehandlung können wir problemlos sicherstellen. Bei speziellen fachärztlichen Fragen verweisen wir an externe Kollegen.“

Ziel des Medizinischen Dienstes ist es, gesundheitsfördernd auf die Rehabilitanden einzuwirken. „Wir unterstützen die Teilnehmer dabei, ihren Gesundheitszustand zu verbessern, damit sie am Ende der Qualifizierungsmaßnahme wieder stabil in die Arbeitswelt zurückkehren können.“, so die Ärztin. „Wir motivieren zum Beispiel zu Freizeitsport, verordnen bei Bedarf Physiotherapie, beraten zur Ergonomie am Arbeitsplatz, empfehlen Diäten mit Ernährungsberatung beim Diätassistenten.“ Erheblich Übergewichtige motiviere  man außerdem zur Teilnahme an der „Körperfit-Gruppe“. Für diese Zielgruppe besteht so die Möglichkeit, im geschützten Rahmen unter fachlicher Anleitung aktiv bzw. aktiver zu werden.

„Die Arbeit im BFW ist wirklich interessant“, bestätigt Wissert, „das Spektrum an Krankheiten ist hier unheimlich groß.“ In Ihrer Position könne sie zudem nicht nur praktisch und therapeutisch tätig werde: „Im Reha-Assessment habe ich auch eine gutachterliche Aufgabe.“

Der Reha-Fachdienst Medizin zählt neben dem Psychologischen Dienst und dem Reha- und Integrationsmanagement zu den „Besonderen Hilfen“ im BFW München. Die dadurch angebotene individuelle Betreuung der Teilnehmer sichert die meist zweijährige berufliche Ausbildung. „Es ist spannend, die Rehabilitanden während ihrer BFW-Zeit zu begleiten und ihren Verlauf zu beobachten“ sagt Wissert.